“Ich hoffe, dass sie meine Gondel neben die meines Vaters hängen“, ruft Felix Neureuther enthusiastisch nach seinem grandiosen Slalom-Sieg in Kitzbühel aus. Im ersten Lauf platzierte sich Neureuther auf dem dritten Platz. Ein brillanter zweiter Lauf brachte ihm den verdienten Sieg am Hahnenkamm und seinen ersten World Cup Sieg.
In der Kombinationswertung wird die Zeit der Abfahrt mit den beiden Slalomzeiten addiert. Mit einem hervorragenden 7. Rang in der Abfahrt wie auch im Slalom sicherte sich Ivica Kostelic den Gesamtsieg in der Hahnenkamm-Kombination. Ein weiterer Erfolg in seiner beachtlichen Karriere.
Der Ganslerenhang eine klassische Slalompiste. Sobald die Rolex Zeitmessung für die Skirennfahrer läuft, twistet und dreht es den Hang hinunter; die Piste überquert Wege und gegen Ende der Rennstrecke geht es sogar den Hügel hinauf. Der Kurs ist einmalig und sehr speziell in der Sportgeschichte. Für Neureuther, der so oft dafür kritisiert wurde, schnell zu fahren aber fatale Fehler zu begehen, gelang diesmal alles. „Ich hatte das Gefühl, die schwierigen Stellen geschickt zu meistern“ kommentiert Neureuther seinen Sieg. Er war außer sich vor Freude. „Der erste Lauf gelang mir sehr gut und im zweiten Lauf puschte ich extrem“ kommentiert Neureuther.
Für den Vorjahres-Slalomsieger Julien Lizeroux ging in diesem Jahr ein Kindertraum in Erfüllung: an der Hahnenkamm-Abfahrt teilzunehmen. „Niemand hatte heute schwere Beine“, reflektiert der populäre und sympathische Franzose, darauf hinweisend, dass einige der bekannten Skirennfahrer in ihren Beinen lethargisch seien. „Slalom ist die wahre Auseinandersetzung. Nach dem ersten Lauf war ich etwas enttäuscht, da ich ihn zu vorsichtig angegangen bin und somit eine Sekunde verlor. Im zweiten Lauf hatte ich nichts zu verlieren und griff voll an. Ich fuhr mit Kopf und Herz. Wenn dir das gelingt, erzielst du ein gutes Resultat im Rennen“ erklärt Lizeroux, der sich in der Kombination den vierten Platz sicherte. „Ich war im zweiten Lauf nur zwei hundertstel Sekunden langsamer und ich weiß, an welcher Stelle ich sie verlor“, stellt der Franzose mit einem Lächeln fest.
Mit dem dritten Platz im Slalom von Giuliano Razzoli bewies das italienische Team das es den richtigen Weg eingeschlagen hat. „Mein erster Lauf verlief im oberen und unteren Teil sehr gut. Im Mittelteil jedoch war ich nicht zufrieden. Im zweiten Lauf gab ich im oberen und mittleren Teil mein Bestes doch kurz vor dem Ziel beging ich einen kleinen Fehler“, kommentierte der Italiener sein erfolgreiches Resultat.
Der Österreicher Reinfried Herbst führte nach dem ersten Lauf, gefolgt vom Italiener Manfred Moelgg mit 4/10 Sekunden Rückstand und Neureuther an dritter Stelle. Als sich Neureuther im zweiten Lauf vor Lizeroux platzierte war noch alles offen. Moelgg kam als nächster, machte einen Fehler der ihn zwang, zurück zu einem Tor zu steigen was natürlich viel Zeit kostete. Alle Augen richteten sich auf den Favoriten, der als letzter Fahrer noch oben stand: Reinfried Herbst. Vor dem Start zum zweiten Lauf führte Herbst noch nach Punkten im Slalom World Cup der Herren. Im ersten Lauf hatte er noch einen komfortablen Vorsprung von einer halben Sekunde auf den Deutschen. Dies hätte zum Sieg reichen sollen. Bedauerlicherweise unterlief Herbst ein Fehler im mittleren Teil der Strecke und er musste ebenfalls zum Tor zurück steigen. Während Herbst seine Niederlage mit Würde einsteckte, war die Freude von Neureuther und Kostelic über ihren Sieg offensichtlich.
Silvan Zurbriggen versuchte in der Kombination seinen Vorjahressieg zu verteidigen und wurde wie Lizeroux ebenfalls auf den zweiten Platz verdrängt. Die Hahnenkamm-Kombination ist einmalig, weil es der einzige Event ist, bei welchem die klassische Formel mit Hilfe der Rolex Zeitmessung angewendet wird: die volle Länge der Abfahrt addiert mit den Zeiten beider Slalomläufe.
„Ich war wirklich müde nach der Abfahrt“ erzählt Zurbriggen, „und somit bin ich mit dem zweiten Platz sehr zufrieden“. Der Österreicher Beni Raich belegte den dritten Platz in der Kombination und gleichzeitig den vierten Platz im Slalom.
Da es Brauch ist in Kitzbühel, dass nach einem Hahnenkamm-Rennen jedem Sieger eine Gondel gewidmet wird, werden dieses Jahr zwei Gondeln neu benannt werden: Felix Neureuther und Ivica Kostelic. Da Didier Cuche bereits eine gewidmet ist, werden seine zwei weiteren Erfolge auf seiner Gondel angebracht werden.
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