Didier Cuche hat heute seine Abfahrtskollegen mit Bestzeit im ersten Trainingslauf der 70. Hahnenkamm-Abfahrt aufgeschreckt und seinen Siegeswillen demonstriert. Strahlender Sonnenschein und ideale Pistenbedingungen präsentierten sich heute zum Trainings-Auftakt dieser anspruchvollsten Abfahrt des Alpinen Ski World Cup. Die ersten Zuschauer, die sich bereits für dieses legendäre Rennen beim Training einstimmen wollen - die Rennläufer, die im Abstand von wenigen Minuten im Ziel eintreffen: Alle bereiten sich vor auf THE RACE!
Für die 63 Rennläufer, die sich wagemutig die Piste hinunter stürzen, hätte die Sicht und die Schneebedingungen nicht besser sein können. Mit Startnummer 1 war Mario Scheiber (AUT) der erste Läufer, der die Rolex Zeitschranke passierte. Die einheimischen Zuschauer wurden nicht enttäuscht. Mario Scheiber, eher ein Neuling auf dieser äußerst schwierigen Strecke, zeigte manch versiertem Fahrer, wie sie zu meistern war. Scheiber's Zeit war schnell und wegweisend; keinem Läufer der ersten Gruppe gelang es, seine in Führung liegende Position zu durchbrechen. Scheiber ist überzeugt, dass er auf dieser Strecke, die er erst zum zweiten Mal bewältigte, noch mehr herausholen kann. Letztes Jahr musste er wegen einer Knieverletzung auf den Start verzichten, nachdem er im Vorjahr - 2008 - bereits den zweiten Platz belegt hatte.
Der einzigste Fahrer der es schaffte, Scheiber aus seiner Führungsposition zu verdrängen, führt auch im Abfahrts-World Cup, der Schweizer Didier Cuche. Er ist ein erfahrener Veteran am Hahnenkamm. Heute hätte sich Cuche gewünscht, dass die Piste noch etwas anspruchsvoller gewesen wäre - vor allem im Zielsprung-Bereich. Am Rennen selber will er diesen Sprung auf jeden Fall länger gestalten. Normalerweise entspannen sich die Fahrer bereits kurz vor dem Ziel, somit erstaunt es auch nicht, dass die vom Rolex Geschwindigkeitsmesser erfassten Werte nicht den Geschwindigkeiten im Rennen selber entsprechen. Cuche's Geschwindigkeit betrug dennoch 137,3 km/h, fünftbeste Zeit hinter dem Österreicher Klaus Kroell, der mit 138,7 km/h gemessen wurde.
Die Österreicher melden sich nach ihren enttäuschenden Resultaten im letzten World Cup Rennen eindrucksvoll zurück. Mit der drittbesten Laufzeit im heutigen Training trug Michael Walchhofer zu dieser sehr guten Mannschaftsleistung bei, gefolgt vom jungen Kroaten Natko Zrncic Dim, der mit Startnummer 46 eine überraschende Leistung vollbrachte.
WARNUNG! DAS ÜBERSCHREITEN DIESER SCHWELLE KANN IHRE GESUNDHEIT GEFÄHRDEN!“
Der Hahnenkamm-Start: Hinausschnellen aus dem Rolex-Startgate, in drei Sekunden von O bis 80 km/h beschleunigen - schneller als ein Sportwagen - den Startschuss, der ein Gefälle von 51 % aufweist, hinunter rasen... Nüchterne Zahlen auf den ersten Blick - für die Rennfahrer am Start des Hahnenkamm-Rennens jedoch nackte Tatsachen. „Ich erinnere mich sehr gut an meinen ersten Start“, erzählt Didier Cuche, als er beobachtet, wie der führende Österreicher Mario Scheiber das Rolex Timing Gate verlässt - von ihm (Cuche) auf Platz zwei verdrängt. „Ich hatte Angst, so Angst! Am liebsten wäre ich umgekehrt und davon gerannt und mit der Gondel zurück ins Tal hinunter gefahren,“ gesteht Cuche.
Ivica Kostelic erinnert sich, dass er bei seinem ersten Trainingslauf auf der „Streif“ nach dem Startschuss ein paar Schwünge einbaute, vor der Passage zur Mausefalle. Wenn der Rennfahrer die Schwelle zum Starthaus überschreitet und den Aufwärmraum erreicht, gibt es nur eine kleine Chance zu entkommen. Das gehört zum Geschäft.
Die Startvorbereitung variiert von Fahrer zu Fahrer. Einige sind ganz ruhig und fokussieren sich voll und ganz auf den schwierigen Einstieg und die furchterregenden Stellen dieser äußerst anspruchsvollen Abfahrtsstrecke. Andere bewegen sich lieber und plaudern. Doch auch bei dieser Gruppe ist- je näher der Start rückt - die volle Konzentration und Fokussierung auf das Rennen das Wichtigste. Guenther Hujara, der Renndirektor der Herren World-Cup-Tour, vergleicht die unmittelbare Startvorbereitung mit der Einstellung eines Rauchers. Der Rennläufer hat beide Optionen: die Rennstrecke zu fahren oder es sein zu lassen! Hujara äußert sich im Jury-Raum ernsthaft zu diesem Thema. Er meint es wäre vielleicht gut, am Eingang zum Aufwärmeraum ein Schild mit folgender Aufschrift anzubringen: „Warnung! Die Überschreitung dieser Schwelle kann ihre Gesundheit gefährden!“.
Am Start hat Heinz Strassegger von der Firma Carrera (Helme) einige junge Fahrer erlebt, die zum ersten Mal die Streif gefahren sind, auch Rolex Testimonial Hermann Maier. Strassegger kommentiert: „Manch jungem Rennfahrer ist die Angst ins Gesicht geschrieben, doch sobald der Start erfolgt, verschwindet dieser Ausdruck und der Fahrer konzentriert sich voll auf das Rennen.“ Auch erfahrene Professionelle wie Steve Nyman haben ihre eigene Art, vor dem Start mit dem fahlen Gefühl in der Magengegend umzugehen. Nyman meint: „Für mich ist es am besten wenn ich mit Leuten über irgend etwas sprechen kann, über alles, was mich davon abhält an das zu denken, was ich bald im Begriff bin zu tun“.
An einem perfekten Tag wie diesem für den ersten Traininglauf der 70. Hahnenkamm-Abfahrt, beruhigen der strahlend blaue Himmel und die hervorragende Sicht die Nerven. Es gibt aber auch Tage mit unbeständigem Wetter und entsprechend reduzierter Sicht. Das trägt eher zur Nervenbelastung bei. Um sich gedanklich abzulenken, bevorzugen es einige Rennfahrer, in der Red Bull Hospitality fern zu schauen - z.B. die Live-Übertragung des Tennismatch von Rolex Testimonial Roger Federer bei den Australian Open.
Wenn der erste Fahrer aus dem Start Gate hinausschießt, drängen sich die Zuschauer bereits beim ersten Trainingslauf dieser legendären Abfahrt vom Start bis hinunter zur Mausefalle. Die große Eisskulptur, die den kürzlich verstorbenen Toni Sailer darstellt, der - selber eine Skilegende - so vieles zu diesem Rennen beigetragen hat, wacht über das Startgeschehen und den unbestimmten Verlauf eines jeden Starts. In Pistennähe unterhält sich Strassegger und zeigt auf den 20 Jahre alten einheimischen„ “Rookie “ Markus Duerager. Es ist das World Cup Debüt für Duerager, der sich im Startgebiet bewegt und sich ganz unbekümmert gibt. Auch dies ist eine Möglichkeit, sich auf ein Rennen vorzubereiten.
Der erste Trainingslauf wird von den Rennfahrern sehr ernst genommen, auch wenn einige nicht voll fahren. Manuel Osborne-Paradis, der Spitzenfahrer im kanadischen Team, ist bekannt dafür, sich in den Trainingsläufen zurückzuhalten. „Ich versuche die beste Linie zu fahren und experimentiere“, erklärt er, als er die Wärme-Kleidung auszieht, die Rennnummer überstreift und sich mental vorbereitet.
Je näher das Rennen für den einzelnen Fahrer rückt, hört er sich die Meldungen von der Rennstrecke an, die jedem Rennfahrer von der Strecke durchgegeben werden. Die Norweger und Kanadier teilen sich die Informationen und beide Nationen versammeln sich um den Funk, um die Informationen der Trainer aus den verschiedenen Rennsektionen aufzufangen. Dazu trinken sie Wasser, um den Wasserhaushalt aufrecht zu erhalten. Jeder einzelne Fahrer beginnt anschließend, seinen Kurs zu visualisieren, jede Kurve, die Sprünge... jeden Zentimeter der Rennstrecke. Wie Osborne-Paradis ziehen sie langsam ihre Wärme-Kleidung aus und begeben sich ins Starthaus.
Von da an gibt es kein Zurück mehr. Der Weg führt nur durch das Rolex Timing Gate am Ende der Kursstrecke.
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